Art in Your Hands (Die Kunst in deinen Händen) – Marino Marini Museum, Florenz


Das Projekt, das sich an Menschen mit Demenz und ihre Begleiter richtet, begann 2012 als eine Zusammenarbeit der Kunstvermittlerinnen, Cristina Bucci und Chiara Lachi mit den Geragogen, Luca Carli Ballola und Michela Mei.

Ziele: Das Angebot soll die Beziehung zwischen den Teilnehmern stärken. Es nutzt dazu die emotionale und kommunikative Kraft der Kunst. Menschen mit Demenz und ihre Begleiter sollen die Möglichkeit haben, an anregenden und angemessenen Angeboten teilzunehmen und so lange wie möglich am kulturellen Leben teilhaben. Jeder, ohne Ausnahme, kann mitmachen: sowohl Begleiter als auch Betroffene.

Es werden unterschiedliche Methoden genutzt, um die Teilnehmer an die Kunst heranzuführen:

  • Eine Geschichte oder ein gemeinsames Gedicht erfinden, ausgehend von einem Kunstwerk – dabei wird stets die Offenheit der Deutungsmöglichkeiten eines Kunstwerks betont. Diese Methode fördert die Fantasie und die Vorstellungskraft. Beides sind Fähigkeiten, die Menschen mit Demenz lange erhalten bleiben.
  • Skulpturen mit bloßen Händen zu berühren ist eine Erfahrung, die Emotionen weckt und eine Strategie der Beziehungsaufnahme sein kann: Im Alltag kann die Berührung für Menschen mit Demenz ein Instrument sein, das ihre Kommunikation unterstützt, wenn Worte nicht mehr tragen.
  • Zu verschiedenen Kunstwerken wurden, in Zusammenarbeit mit Musikern von „Tempo Reale“, Klangstationen entwickelt. Diese zusätzliche Anregung für die Fantasie erlaubt es, die Kunstbetrachtung mit der Erfahrung des Musikhörens zusammen zu bringen.
  • Angeregt durch das Betrachten der Kunstwerke von Marino Marini werden Tanzbewegungen vollzogen, die Wahrnehmung des eigenen Körpers fördern. Diese Aktivität weckt positive Emotionen und hilft, sich auszudrücken, zu kommunizieren, oder mit anderen Teilnehmern in Kontakt zu treten.
  • Bei den künstlerisch, praktischen Workshops liegt der Fokus weniger auf der manuellen Tätigkeit, als vielmehr auf der Stärkung der Beziehung zwischen Betreuern und Betroffenen. Das Arbeiten mit Ton intensiviert Emotionen: die Hände transportieren Ideen, der Genuss der Berührung und das Gestalten ermöglichen eine andere Art der Kommunikation und erweitern die Möglichkeiten des Selbstausdrucks.

Museumsprogramme für Menschen mit Demenz helfen das Stigma und die Isolation durch die Krankheit zu reduzieren. Aus diesem Grund sollen mit Hilfe von Fortbildungsprogrammen mehr Museumsangebote in der Region Toskana implementiert werden. Eine Fortbildung für Kunstvermittler und Geragogen umfasst ein Training für professionelle Betreuer und Familienangehörige sowie Schulungsunterlagen. Ziel ist es, die Kommunikationsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz durch die Begegnung mit Kunst zu erweitern.

Die Fortbildung „Kommunikation mit Menschen mit Demenz“ besteht aus sechs Veranstaltungen für professionelle Betreuer und Familienangehörige in einer möglichst konstanten Gruppenzusammensetzung. Veranstaltungen für Betreuer und Familienangehörige wechseln sich ab mit Terminen, die auch für Betroffene offen sind. Es finden drei gekoppelte Termine statt, die jeweils eine spezifische Kommunikationsform vorstellen: verbal, taktil und gestisch.

Wenn es um die Beziehung zu einem von Demenz betroffenen Menschen geht, sind Familienangehörige und professionellen Betreuer die Experten. Das Programm zielt darauf ab, ihr Bewusstsein zu schärfen, um ihre Erfahrungen mit der Kunst effektiv im Alltag nutzen zu können.

Zuletzt geändert: Samstag, 14. Oktober 2017, 18:57