Demenzfreundliche Angebote der Organisation  SOCIALINIAI MENO PROJEKTAI


Die Nichtregierungsorganisation „Socialiniai meno projektai“  SMP entwickelt Kunstprojekte im Gesundheitsbereich, die das Wohlbefinden fördern sollen und Menschen den Zugang  zur Kunst erleichtern. Die Angebote werden in der Regel  in sektorübergreifenden Partnerschaften organisiert: Künstler, kreative Köpfe und Professionelle aus den Bereichen Soziokultur, Gesundheit, Pflege oder Wissenschaft arbeiten mit vulnerablen Personengruppen zusammen. Die Angebotspalette der Organisation umfasst Theaterstücke, Aufführungen, Ausstellungen, kreativ, experimentelle Angebote, partizipative Kunstprojekte, Workshops, Fortbildungen, außerdem die Bereiche Publikation und Forschung.

Folgende Projekte von SMP richten sich auf die Förderung des Wohlbefindens sowie auf den verbesserten Zugang zur Kunst für Menschen mit Demenz, ihre Familienangehörigen und Begleiter: “Menas žmogaus gerovei”- Kunst fürs Wohlbefinden, “Šokio laboratorija”- Tanzlabor  und “Susitikime muziejuje”-Treffpunkt Museum. Im Projekt „Museums, Arts and Alzheimer´s MA&A entwickelte SMP einen multisensorischen Ansatz.

Kunst fürs Wohlbefinden

Pflegekräfte sind mit einer Vielzahl von Stressoren konfrontiert, sie sind oft übermüdet und mit großer Verantwortung belastet. Das Wohlbefinden der Pflegekräfte steht jedoch in direkter Beziehung zur Pflegequalität und damit auch zum Wohlergehen der Patienten. Das Projekt  bietet aus diesem Grund Pflegekräften die Möglichkeit, an kreativen Kunstangeboten teilzunehmen und konzentriert sich auf deren Wohl.

In einer Studie nahm das Pflegepersonal am Arbeitsplatz an einem Seidenmalkurs teil. Das bei diesem Angebote neu erworbene Wissen und die gewonnenen Fähigkeiten förderten die persönliche Entwicklung der Teilnehmer und erhöhten ihre Kreativität, ihre Selbstachtung und Empathie.

Die Studienergebnisse zeigten einen positiven Einfluss auf das Wohlbefinden der Teilnehmer. Das Angebot half bei der Stressbewältigung und verringerte außerdem die Müdigkeit der Pflegekräfte. Des Weiteren verbesserte die Teilnahme den Gemeinschaftssinn bei der Arbeit, verstärkte Peer-Beziehungen und beeinflusste die Pflegequalität positiv und damit auch das Wohlergehen der Patienten.


art for well being
Kunst fürs Wohlbefinden- Workshop in Kaunas. Foto von Remigijus Ščerbauskas..


Tanzlabor

Das Projekt „Tanzlabor“ bietet älteren Menschen mit Einschränkungen, sowie ihren Betreuern, künstlerische Aktivität auf einem gleichem Niveau an. Im Tanzlabor ausgebildete professionelle Tänzer zeigen in Workshops, wie man gemeinsam Kreativität lernen und fördern kann. Das Projekt bietet Betreuern und Pflegekräften die Möglichkeit, sich sowohl persönlich als auch beruflich weiter zu entwickeln. So werden erworbenes Wissen und Fähigkeiten der alltäglichen Praxis angepasst, indem sie ermutigt werden, selber Tanz- und Bewegungsaktivitäten zu entwickeln, die sich an Senioren mit Einschränkungen und andere professionelle Betreuer richten.  In Zusammenarbeit mit Pflegeheimen und  Tagespflege- Einrichtungen wurde das Tanzlabor in einem größeren Rahmen durchgeführt, es wurden über 300 Teilnehmer involviert.


laboratory of dance
Tanzlabor - Performance in Vilnius. Foto von Jolita Kimsaitė.


Treffpunkt Museum

SMP hat in Zusammenarbeit mit der „National Gallery of Art“, dem Litauischen Kunst Museum, dem Litauischen Museumsverband und anderen Partnern  ein Fortbildungsprogramm für Kunstvermittler realisiert: „Susitikime muziejuje“, das auf den Methoden des Projekts „Meet at MoMA“ basiert.Die Fortbildung zielt darauf ab, Menschen mit Demenz den Zugang zu Museen und Galerien zu erleichtern. „Susitikime muziejuje“ machte auf die Wichtigkeit solcher Museumsprogramme für gesellschaftlich ausgeschlossene Gruppen in Litauen aufmerksam. Die Fortbildungen involvierten bisher 30 Kunstvermittler aus 15 Museen. SMP unterstützt Kunstvermittler, die Angebote für Menschen mit Demenz in einem Museum aufbauen möchten. Hier der Ablauf.

MA&A: Multisensorischer Ansatz

Im Rahmen des Projekts „Museums Arts and Alzheimer´s“  MA&A, wurde von der Organisation ein multisensorischer Ansatz für Museen entwickelt. Drei Workshops zielen darauf ab, die Kommunikation zwischen Menschen mit Demenz, ihren Betreuern und Familienangehörigen durch die Teilnahme an Museumsangeboten zu verbessern.

Das Programm gliedert sich in 4 Phasen:

1) Information und qualitative Auswertung der Kommunikationsprobleme in alltäglichen   Betreuungssituationen.

2) Pilotphase, Umsetzung und Auswertung.

3) Entwicklung und Durchführung von multisensorischen Angeboten.

4) Qualitative Auswertung.

Während der Veranstaltungen werden unterschiedliche Methoden der verbalen und nonverbalen Kommunikation (durch Sinne und Emotionen) benutzt, die sich an den Potentialen der Teilnehmer orientieren. Der flexible Ansatz der Vermittler schafft ein ermutigendes Umfeld. Das Geschehen wird reflektiert, um die Qualität des Angebots zu gewährleisten.

1.Besuch: Kunstgespräch und freier, künstlerisch, praktischer Workshop

Das Gespräch beginnt mit der Beschreibung der formalen Aspekte eines Kunstwerks und fährt mit der kontextualen Beschreibung und emotionalen Interpretation fort. Das Angebot gibt Zeit und Raum für die Betrachtung und das Mitteilen von Gedanken, Ideen und Einsichten. Der Diskussion folgt ein freier, künstlerisch, praktischer Workshop.

2.Besuch: Berühren der Kunstwerke

Die Teilnehmer sind dazu eingeladen, die Kunstwerke durch Berührung zu erforschen. Durch ein Tuch verhüllte oder auch unverhüllte Werke bieten hierzu eine Vielzahl von Oberflächen. Dies ermöglicht eine tief gehende, persönliche oder auch gemeinsame Erfahrung in der Gruppe. Die Vorstellungskraft der Teilnehmer wird herausgefordert, ihre Neugierde geweckt.

3.Besuch: Kunstbetrachtung und Tanz

Die Kunstbetrachtung wird verknüpft mit Tanz und Bewegung, Berührung, Beobachtung und emotionaler Kommunikation.


meeting at the museum
Treffpunkt Museum – Museumsbesuch in Kaunas. Foto von Eglė Gudonytė.


Zuletzt geändert: Sonntag, 12. November 2017, 15:15